Herbstzeit

 

(…..)  In den nächsten Tagen war bei uns am Frahelser Buckel Streurechen angesagt, eine Arbeit , die ich überhaupt nicht mochte. Das Gerupfe mit dem Eisenrechen unter den Heidelbeerstauden und die von den Bäumen abgefallenen Blätter auf Haufen zusammenzurechen war langweilig. Um meine Arbeit zu beschleunigen, sägte ich zwei große Tannenäste ab und legte Streuhaufen auf meine Behelfskonstruktion. Meine Schleifspur zum Ladewagen wurde von mal zu mal schneller. Die Streu wurde zum Einstreuen im Kuhstall gebraucht. Für die Wiederkäuer war es eine Abwechslung, außer dem täglichen Heu auch mal ein paar Heidelbeerstauden zu kauen. Zu unserem Tannen- und Fichtenwald auf dem gegenüber des Weißen Regen gelegenen Mittelgebirgskamm, geht es steil nach oben zum Einöd- und Gutshof Trailling. Man orientierte sich ab Frahelsbruck am Bahnhaltepunkt beim Schmidgagei und folgte den Telefonmasten hinauf zum Trailling. Wenn man oben ankam, war man durchgeschwitzt. Den Postboten ging es ebenso bei den steilen Höhenmetern. Für den Briefträger, der seine Dienstmütze vom Haupte zog, um sich den Schweiß von der Stirn mit dem Taschentuch abzuwischen, hatten wir gleich eine Meldung, die er ans Lamer Postamt weitergeben sollte. Denn ein umgeschlagener Baum hatte eine andere Fallrichtung eingenommen, als wir vorgesehen hatten. Die Äste rissen dabei die Telefonleitung vom Masten. Dadurch war der Traillinghof telefonisch von der Außenwelt abgeschnitten.

Meine vier Jahre ältere Schwester und ich mussten mit Vater mit der Handsäge die großen, dicken Tannenbäume fällen. Es war natürlich Schwerstarbeit, das Metallsägeblatt durch die Baumstämme zu ziehen. Die geschlagenen Baumstämme und Äste wurden zu Haufen aufgeschlichtet und später talwärts auf dem durch Unwetter stark unterspülten Hohlweg zum Hof transportiert. Um ein Befahren zu ermöglichen, mussten erst die großen Steinplatten mit einem Pickel entfernt werden. Oder man wartete solange, bis der Transportweg zugeschneit war. Der Weg war zu schmal, um neben den Rindern herzugehen, deshalb war Vorsicht geboten, dass man nicht unter das Fuhrwerk geriet. Um das Gefährt abzubremsen, wurde mit Ketten ein Anhang nachgeschleift (…..).

Auszug aus den „Lebenslinien" von Alois Breu , Heimatdichter aus dem Bayer. Wald

 

 

Lebenserinnerungen des Friseurmeisters Louis Breu.

Aufgewachsen auf einem Einödhof im Bayerischen Wald, macht sich Louis Breu, nach seiner Lehre als Friseur, auf den Weg in die Welt.

 

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